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spiel.21

Stefan Silies & Till Nachtmann »Der verzauberte Leutnant«

spiel.21
Vernissage: 26.09.08, 19 Uhr
Dauer: 26.09.-24.10.08
Öffnungszeiten: Di – Sa 14 – 19 Uhr

LASER-AUFZEICHNUNGEN UND BLAUDRUCKE

Stefan Silies und Till Nachtmann arbeiten seit 1999 zusammen mit Lasern, Raketen, LEDs, Mopeds, Lochkameras und Socken in Köln, Kassel, Leipzig, New York, Korea, im Ruhrgebiet und in Belgien. Für ihre aktuelle Ausstellung schicken sie ihr Alter Ego, den verzauberten Leutnant, auf die Suche nach den Sternen. Er entdeckt Himmelskörper, bleibt zwischen Erde und Sternen hängen, funkt zur Erde an Strindberg: Analyse, Recherche, Durchatmen, Fernglasnutzung und Essen aus der Tube. Immer wieder Meldungen, umhüllt von einem Rauschen, das sich nicht entschlüsseln lässt: Maximum erreicht, alle Regler auf zehn, unüberwindbarer Widerstand, Treue und Unverständnis.

Währenddessen Himmelskunde. Kartenmaterial und Modelle werden studiert. Unweigerlich werden Analogien zu Erd- und Himmelsforschern unterschiedlichster Coleur quer durch die Jahrhunderte sichtbar, werden Berührungspunkte spürbar: Good-bye, hello Jules Verne und Gene Roddenberry. Und speichern: die Gehirnaktivitäten ausbelichten. Kein Verfahren empfiehlt sich mehr als die Cyanotypie, der Blaudruck, der Blueprint. Hier lässt sich jeder Schritt maßschneidern und der bisweilen provozierte Zufall als eigene gestalterische Qualität in den Prozess integrieren. Im Pinseln, Auflegen, Verschieben und Fixieren von Bildlichem lässt sich materielles Wissen sammeln. Die Helligkeitswerte des Blaudrucks sind verfahrensbedingt weder stabil noch einheitlich. Darin funktioniert er analog zu Katalogisierungsverfahren von Sternenkarten. Die Grenzhelligkeit entscheidet, ob ein Stern ortbar und als Phänomen benennbar werden kann.

Bei den Durchmusterungen des Himmels handelt es sich um Unikate auf Papier. An Wänden platziert lassen sie einen Kartenraum entstehen. Weiter hinten leuchtet es grünlich. Kein natürliches Licht, kein menschliches Leben, bewegte Linien und ein Ding, das magnetisch anzieht. Sein Sendezentrum ist ein Laserklotz, der unweit seines Standortes eine grünlich gedimmte Reflexion auf dem Boden zeitigt. Projiziert wird eine geloopte Sequenz aus leuchtenden Linien auf eine weiße Wand. Hier kann sich Aufmerksamkeit sammeln, um ein zyklisches Aufeinanderfolgen von Verhaltensweisen zu beobachten, das sich am Tag-Nacht-Rhythmus orientiert.
Als Speicher ein Laser.

Stefanie Manthey

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