
Eröffnung: Freitag, 24.02.2006, 19.00 Uhr
Dauer: 24.02.2006 - 07.04.2006
brot.undspiele galerie, Gartenstr. 2, 10115 Berlin
Die Ausstellung ist entstanden in Zusammenarbeit mit der Associacion INTERLOCK
Die Galerie brot.undspiele lädt Sie und Ihre Freunde herzlich zu der Vernissage des spiel.07 am Freitag, den 24. Februar 2006 um 19.00 Uhr ein.
Die Ausstellung Zeichnungen ohne Status vereint die Arbeiten von vier Künstlern, die das Medium Zeichnung nicht dazu nutzen, um ein unabhängiges, fertiges Kunstwerk zu schaffen - bereit, in Kollektionen aufgenommen zu werden - sondern als ein Mittel, um die Welt zu Verstehen, zu Erforschen, zu Veranschaulichen und Darzustellen.
In Form einer Skizze, die der Realisierung eines Projektes vorangeht, in Gestalt präziser Linien eines erfundenen Gegenstandes, oder auch, indem verschiedene Techniken zu einer Hybridform verbunden werden, stellt die Zeichnung einen Ausdruck dar, den die an dieser Ausstellung teilnehmenden Künstler als eine Methode nutzen, die es ihnen ermöglicht neue Relationen zwischen Konzept und Gegenstand zu erzeugen.
Über die unterschiedlichen Herangehensweisen konzentriert die Zeichnung die Aufmerksamkeit auf das vorgestellte Thema in einer unerwarteten, manchmal absichtlich unbeholfenen oder erzwungenen Art. Indem eine bestimmte Weise der Erfassung und Analyse der Wirklichkeit aufgezeigt wird, stellt die Zeichnung die Angemessenheit ihrer Natur infrage.
Die Ausstellung Zeichnung ohne Status möchte die Anwendung der Zeichnung anhand von Prozessen vierer sehr eigenständiger Praktiken näher bringen, die, in Anlehnung an zahlreiche Referenzen, ein System der enzyklopädischen, technologischen und architektonischen Repräsentanz ausloten, das im allgemeinen Bewusstsein verankert ist.
Die Zeichnungen von Dorota Buczkowska stehen in direkter Verbindung zum Thema der Zirkulation. Indem die Künstlerin die mechanischen Funktionen des Körpers mit denen der Gesellschaft vergleicht, fügen ihre Arbeiten den formalen Bestandteilen persönliche Bedeutungen hinzu. Als Antwort auf das Bedürfnis des Verstehens und der Kontrolle dessen, was die Vorstellungskraft belebt und nährt, analysieren ihre Zeichnungen technische, anatomische oder urbanistische Schemata.
In der neuen Serie "Maison des poissans" zeigt die Künstlerin die Industrialisierung des übertriebenen Konsums auf, deren dynamisches einschreiben in den Lebensraum, ein Konzept der Gesellschaftsstruktur widerspiegelt.
Emmanuel Etienne nutzt die Zeichnung, um Hybridformen zu erschaffen. Folien, farbiges Garn, die Präzision der Geste, die den Spuren der traditionellen Stickerei folgt und ausgewählten Teilen des Körpers eine neue Form gibt (männliche Büsten und Ziegenbeine). Die Künstlerin stellt nicht nur die Frage nach dem Sinn der Anwendung traditioneller Techniken im künstlerischen Prozess, sondern auch nach der Eigenschaft des erschaffenen Hybrides, dessen "Form durch das weiche Material verkörpert wird" und "deren Umriss durch das Garn verliehen wird". Eine Zeichnung, die die Wahrnehmung destabilisiert, ist auch in Arbeiten enthalten, die von der Künstlerin "in situ" aus durchsichtigen, perforierten und auf Fensterfronten geklebten Bändern realisiert werden. "Einige dieser Zeichnungen zeigen Elemente einer kaum erkennbaren Landschaft auf, andere erfordern vom Betrachter eine physische Verlagerung, um die komplette Zeichnung rekonstruieren zu können".
In den neuesten Arbeiten von Alain Lapierre erscheint die Zeichnung in Form einer Animation. "Travelling" zeigt ein verlangsamtes Defilee von Bildern, konstruiert wie eine nachlassende Erinnerung. Weiße, schwarze, mal undeutliche oder sich wiederholende Striche tauchen abwechselnd mit kurzen Sequenzen schwarz-weißer Bilder auf und verschwimmen zu grauen Flächen. Die Wüstenlandschaft verwandelt sich allmählich in Luft oder in einen Eisberg. In dieser Animation hat der Künstler eine introvertierte Arbeit geschaffen, die sich in einem eigenen Rhythmus entwickelt und die Beteiligung des Unterbewussten an dem, was die Persönlichkeit auswählt und von ihrer Konstruktion preisgibt, analysiert.
Die grafischen Möglichkeiten auslotend, zeichnet Patrick Sauze eine Serie von Gegenständen, die auf der Logik der Gegensätzlichkeit basieren. In Anlehnung an Illustrationen aus Enzyklopädien, bringt Sauze eine objektive Zeichnung (z.B. anatomische Zeichnung) mit der künstlerischen (nicht objektiven) Zeichnung in Verbindung. Der Künstler zeigt uns eine rationelle Systematisierung eines erfundenen Gegenstandes, deren scheinbar vertraute Form unser Misstrauen zu wecken beginnt.
In der Serie "Vanités" stellt der Künstler zahlreiche Versionen des anatomischen Schädels dar. Der Schädel - dargestellt als Gegenstand, ohne jegliche Expression und Eigenschaft - wird zur Büchse, deren Inhalt die ultimative Antwort ist. Die extrem materielle Vision neutralisiert die symbolische Bedeutung dieses Objekts, das im allgemeinen Bewußtsein als Zeichen für den Tod fungiert und vergägenständlicht den Schädel als einen Behälter, die physische Limitierung von Gedanken.
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