
Eröffnung : Freitag, 12.08.2005, 19.00 Uhr
Ausstellungsdauer: 12.08.2005–03.09.2005
brot.undspiele galerie , Gartenstr. 2, 10115 Berlin
Der Anfang der „mechanischen“ Reproduktion unserer Umwelt kann mit der ersten Camera Obscura datiert werden. Ohne die Möglichkeit das Dargestellte festzuhalten, war die Camera Obscura zunächst lediglich als optisches Experiment und Jahrmarktattraktion nutzbar. Mit Entdeckung des photographischen Verfahrens wurde sie zum Urmodell aller fotografischen Apparate. Sie läutete den Beginn unseres visuellen Zeitalters ein, dessen Zeugen nunmehr ihre Realität zunehmend elektronisch vorverdaut konsumieren. Die scheinbare Sicherheit der visuellen Information wird auch heute in den Zeiten digitaler Reproduktion nur von Minderheiten in Frage gestellt, obschon die Manipulation teilweise – wenn auch ungewollt – offenbar wird.
Spiel 03 widmet sich ausschließlich der gewollten und offensichtlichen Manipulation von Medien. Im Gegensatz zur „heimlichen“ Manipulation vermeintlich objektiver visueller Informationen, nutzen Codemanipulator® und Stefan Silies ihre Interventionen offensiv als künstlerisches Ausdrucksmittel.
Stefan Silies Camera Obscura schwarz/weiß Aufnahmen zeigen eine traumhaft verzerrte New Yorker Skyline überstrahlt von einem unwirklich, sonnenhaft gleißenden Sternbild des Orion. Die eigens angepasste Camera Obscura und ein für diese Serie entwickeltes Reproduktionsverfahren verleiht den Bildern jenseits ihrer starken poetischen Qualität eine fühlbare archaische Authentizität, die mit Hilfe digitaler Mittel in dieser Form und Intensität nicht zu erzielen wäre. Hat der Beobachter hier noch die Möglichkeit zur Unterscheidung von Manipulation und der widergespiegelten Realität, wird die visuelle Repräsentanz der Werke von Codemanipulator® erst durch die gezielte Veränderung der zu Grunde liegenden Programmierung existent. Für seine CodeManipulations bedient sich Codemanipulator® vorhandener Informationen und Programmierungen um sie durch gezielte Einflussnahme mit Hilfe eigener Codes visuell neu zu erschaffen. Bei den eigens programmierten CodePaintings und der CodePoetry wird nicht der Inhalt zum Gegenstand der Manipulation sondern das Werkzeug seiner Darstellung. In allen Fällen lässt das künstlerische Werk kaum Rückschlüsse auf seine Herkunft zu. Die radikale Manipulation erschafft somit eine eigene, neue visuelle Realität, deren offensichtliche künstlerische Qualität keine Fragen nach ihrem ursprünglichen Sinn und Inhalt aufkommen lässt.
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